1. Preis 2008, Wohnhaus Stephanstraße 10/12
3. Preis 2008, Alte Weizenmühle, Knauthain
9.10.2009. Der Präsident der Kulturstiftung Leipzig, Walter Christian Steinbach übergibt OBM Burkhard Jung die Demokratieglocke
Thomas Liebscher, Wolfgang Hocquél, Volker Bremer und Martin zur Nedden präsentieren am 12. Mai 2010 erstmalig einen Architektur- stadtplan
Für 4,95 € im Buchhandel
oben: Boote auf der Weißen Elster
Mendelssohnufer, Bundesverwaltungsger.
Karl-Heine-Kanal, Stelzenhaus

Ausschreibung zum Hieronymus-Lotter-Preis 2010

Die Kulturstiftung Leipzig schreibt zum elften  Mal den Hieronymus-Lotter-Preis für Denkmalpflege aus. Ausgezeichnet werden Hauseigentümer, die ein Kulturdenkmal in der Stadt Leipzig besonders vorbildlich instand gesetzt haben. Der Preis wird in Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig im Wechsel mit dem Preis für Baukultur vergeben.

 Der Jury gehören an:

1. Herr Wolfgang Kunz, Planungsamtsleiter der Stadt Leipzig

2. Herr Dr. Norbert Baron, Abteilungsleiter Denkmalpflege der Stadt Leipzig

3. Herr Dr. Alberto Schwarz, Landesamt für Denkmalpflege  Sachsen

4. Herr Heinz-Jürgen Böhme, Kulturstiftung Leipzig

5. Herr Winfried Sziegoleit, Kulturstiftung Leipzig

6. Herr Dr. Wolfgang Hocquél, Kulturstiftung Leipzig

Aussagefähige Unterlagen (formlose Bewerbung mit Name, Anschrift und Telefon-Nummer des Eigentümers, Fotodokumentation, Angabe der Planungsbüros) sind an die Kulturstiftung Leipzig, Nikolaikirchhof 2, 04109 Leipzig (Tel. / Fax. 0341 / 211 85 18/20) bis spätestens zum  1.10.2010 einzureichen.Der Wettbewerb richtet sich ausschließlich an private Denkmaleigentümer. Prämiert werden Denkmalinstandsetzungen, die im Zeitraum 1.11.2008 bis 1.10.2010 fertig gestellt wurden.Die Jury tagt am 16.10.2010 und wird an diesem Tage alle eingereichten Vorschläge besichtigen. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Europäischen Messe für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung  „denkmal 2010“ am 17. November 2010, 11.00 Uhr, in der Aula der Alten Nikolaischule statt.Die Preisträger erhalten ein bronzenes Medaillon mit dem Bildnis des baukundigen Leipziger Bürgermeisters  Hieronymus Lotter (1497 – 1580), das am Gebäude angebracht werden kann sowie eine Urkunde.

 

 

 

Wann schlägt die Demokratieglocke auf dem Augustusplatz?

Seit dem 09.10.2009 erinnert die bronzene Demokratieglocke des Berliner Künstlers Via Lewandowsky an die entscheidende Montagsdemonstration des 9.Oktober 1989. Der Haiku auf dem umlaufenden Schriftband "Demokratie ist in unendlicher Nähe längst sichtbar als Kunst" stammt von Durs Grünbein. Die Glocke wurde von den ostdeutschen Gießern mit Unterstützung der Industrie- und Handelkammer Leipzig, den Stadtwerken Leipzig, der Bürgerstiftung Leipzig, MIB AG Immobilien und Beteiligungen, der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft, der Handwerkskammer zu Leipzig, der Gesellschaft Harmonie Leipzig, Angelika Thöne-Otto und Raimund Otto sowie den Rechtsanwälten Weidiger, Richtscheid gestiftet.

Die Realisierung lag in den Händen der Kulturstiftung Leipzig.

Immer wieder erreichen uns Anfragen, wann denn die Glocke schlägt? Hier die Antwort:

Die Glocke schlägt an jedem Montag um 18:35 Uhr 12 Mal. Wieso 18:35 Uhr?

Dazu existiert ein Fernschreiben vom Leiter der BV Leipzig, Generalleutnant Hummitzsch,  an den Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit, Generaloberst Mittig und an den Stellvertreter des Ministers, Generalleutnant Neiber: „ … am 09.10.1989 fand ausgehend vom Vorplatz der Nikolaikirche in der Zeit von 18:35 bis 20:30 Uhr eine nicht genehmigte Demonstration … statt, …“.

An allen anderen Tagen schlägt die Glocke zwischen 8 Uhr und 20 Uhr innerhalb jeder vollen Stunde ein Mal nach dem Zufallsprinzip mit einem bis zu zwölf Schlägen.

 

Architekturstadtplan zu Historismus und Jugenstil erschienen

Leipziger Architektur um 1900

In keiner zweiten Stadt in Deutschland hat sich ein so geschlossener Bestand an Bauten aus der Epoche des Wilhelminischen Kaiserreichs, das heißt aus der Zeit zwischen 1871 und 1918, erhalten wie in der alten Messestadt Leipzig. Im zweiten Weltkrieg war Leipzig weniger stark zerstört worden als etwa Hamburg, Dresden oder Magdeburg. Von den rund 15000 erfaßten Kulturdenkmalen der Stadt gehören mehr als 10000 der sogenannten Gründerzeit an. Besonders der Wohnungsbau des Historismus prägt noch heute ganze Stadtteile. Die meisten Gebäude jener Epoche wurden nach 1990 saniert und offenbaren wieder die teils opulente Vielfalt ihrer handwerklichen Details. Oft finden sich kunstvoll dekorierte Treppenhäuser, die der Einzelbetrachtung wert sind.

Zwischen 1871 und 1918 erhöhte sich die Einwohnerzahl von 100000 auf über 600000. Als 1895 hier zuerst die Mustermesse eingeführt wurde, stieg Leipzig zum ersten Messeplatz Europas auf. An den architektonisch beeindruckenden Messepalästen der Innenstadt, wie Städtisches Kaufhaus, Handelshof, Specks Hof, oder aber an der ältesten erhaltenen Passage Deutschlands, der Mädlerpassage, sind Wirtschaftskraft und Bürgerstolz noch heute ablesbar. Für Leipzigs Entwicklung zur Industriestadt steht beispielhaft der Stadtteil Plagwitz mit einer Vielzahl erhaltener, architektonisch sehenswerter Industriegebäude (Buntgarnwerke, Bauwollspinnerei). Der Leipziger Osten war dagegen durch die polygraphische Industrie geprägt. Hier hatten sich Verlage und Druckereien angesiedelt (etwa Reclam und Brandstetter).

Lange Zeit hatte man diese Architekturepoche als innovationslosen Eklektizismus abgetan. Aber heute erkennen wir, daß der Rückbezug auf ältere Baustile von der Romanik bis zum Klassizismus durchaus beeindruckende neue Lösungen hervorbrachte. Die Verwendung von Stahlbeton (ab 1899), Stahl und Glas erlaubte zudem völlig neuartige Baukonstruktionen (Hauptbahnhof). Neoromanik (Taborkirche), Neogotik (Peterskirche), Neorenaissance (Zentralmeßpalast), Neobarock (Städtisches Kaufhaus) und Neoklassizismus (ehemalige Messehalle 16) – alle diese Spielarten des Historismus sind in Leipzig in glänzenden Beispielen vertreten. Während die Architekten zu Beginn der Epoche die historischen Stile teils noch akademisch genau rezipierten (ehemalige Reichsbank), wurde es gegen Ende des Historismus ein freier, spielerischer Umgang  (Neues Rathaus). Am Schluß stehen Reformarchitekturen, wie etwa Fritz Schumachers Handelshochschule, die den Weg in die Moderne vorbereiten.

Namhafte Leipziger Architekten der Zeit um 1900 sind die Stadtbauräte Hugo Licht (1841–1923) und Otto Wilhelm Scharenberg (1851–1920) sowie die freien Architekten Arwed Roßbach (1844–1902), Max Pommer (1847–1915), Georg Weidenbach (1853–1928) und Richard Tschammer (1860–1929), Emil Franz Hänsel (1970–1943) und nicht zuletzt der Meister des Jugendstils Paul Otto Hermann Möbius (1866 bis 1907), der einen ganz eigenen Lokalstil kreierte (Paul-Michael-Straße). In der Zeit des Historismus und des Jugendstils fand Leipzig endgültig Anschluß an das nationale, ja internationale Architekturniveau. Monumentale Kirchen, Bahnhöfe, Rathäuser, Schulen, Banken und Gerichtsbauten und nicht zu vergessen das Völkerschlachtdenkmal von Bruno Schmitz, der größte Denkmalbau Europas, prägen heute das Bild der Stadt, die sich zu Recht als die architektonische Hauptstadt des deutschen Historismus ansehen darf. Mit dem 1888–1895 von Ludwig Hoffmann und Peter Dybwad erbauten ehemaligen Reichsgerichtsgebäude erhielt Leipzig gar einen der repräsentativen Staatsbauten des Deutschen Kaiserreichs. Dieser aufwendig sanierte Bau mit seinen  wertvollen erhaltenen bzw. wiederhergestellten historischen Innenräumen und einem umfangreichen ikonographischen Programm zur Justizgeschichte sowohl an den Fassaden als auch im Inneren gehört zu den Leitbauten jener Epoche.

Wir haben insgesamt 82 Gebäude und Gebäudeensembles in diesen Architekturplan aufgenommen. Bei einem Rundgang wird man entdecken, daß die Zahl der sehenswerten Gebäude ungleich größer ist.                                         

 

Sonderheft der Leipziger Blätter im Buchhandel

Leipzig – Stadt am Wasser

Obwohl weder an einem See noch an einem großen Strom gelegen, sind Leipzig und sein Umland dennoch von einer Vielzahl mittlerer und kleiner Gewässer durchzogen, von denen Pleiße und Weiße Elster zu den größeren gehören. Wasser wurde zu einem wichtigen Element der Stadtgestaltung und Stadtqualität, mit zunehmender Stadtvergrößerung und -verdichtung allerdings immer weiter aus dem Stadtbild verdrängt. Die verbleibenden Fließe glichen eher Abwasserkanälen. Diese Zeit ist glücklicherweise vorbei. Die ehemals verrohrten Bach- und Flussläufe werden Schritt für Schritt wieder ans Licht geholt.

Die durch die alles umpflügende Gewalt der riesigen Tagebaumaschinen seit dem frühen zwanzigsten Jahrhundert vernichteten Landschaften südlich und nördlich von Leipzig werden neu erschaffen. Die dabei entstehenden zahlreichen Seen in Tagebaurestlöchern rechtfertigen nachträglich und eindrücklich das Wort von der »Seestadt Leipzig«.»Bauen am Wasser« ist ein sehr anspruchsvolles Thema. Allen Beteiligten muss klar sein, dass Bauen am Wasser beziehungsweise in dessen Nähe besondere Ansprüche sowohl in gestalterischer und technischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht stellt. Vor allem aus diesem Grund hat die Industrie- und Handelskammer Leipzig gemeinsam mit der Architektenkammer Sachsen in der jüngsten Vergangenheit drei Workshops zu diesem Themenkreis durchgeführt. Hauptsächlich ging es um Landschafts-, Stadt- und Hochbauplanung unter besonderer Betrachtung der baurechtlichen Herausforderungen. Daraus entstand eine Arbeitsgruppe, in der sich neben den Genannten die Landesdirektion Leipzig, die Stadt Leipzig, das Kommunale Forum Südraum Leipzig und der Deutsche Werkbund Sachsen zusammenfanden, die alle auch Teilnehmer der Workshops waren.

Für die Architektenkammer Sachsen erwuchs aus den Erfahrungen dieser Zusammenarbeit der Gedanke, den diesjährigen »Architektursommer Sachsen« unter das Motto »Architektur ans Wasser – Baukultur ist Lebenskultur« zu stellen. Mitgetragen wird dieses Engagement von allen Mitgliedern der genannten Arbeitsgruppe. Der »Architektursommer« des Jahres 2010 dauert vom 15. Mai bis zum 15. Oktober, er will in Sachsen – dieses Mal herausgehoben am Beispiel der Region Leipzig – einen entscheidenden Beitrag zur Planungs- und Baukultur leisten. Das Motto des Architektursommers hat Herausgeber und Verlag bewogen, in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer Sachsen zum Thema »Bauen am Wasser« ein Sonderheft der LEIPZIGER BLÄTTER herauszugeben, das auch als Fortsetzung des Sonderheftes »Mitteldeutsche Seenlandschaft« vom Juni 2007 gesehen werden sollte.

Das aktuelle Sonderheft veranschaulicht die große Fülle von Sichtweisen auf das Thema »Stadt am Wasser«. Darin ist das Neuseenland ein wichtiger Bestandteil. Dessen erfolgreiche Entstehungsgeschichte in den letzten zwanzig Jahren ist eng verbunden mit der Tätigkeit des Regierungspräsidiums Leipzig – heute Landesdirektion – und vor allem seines Präsidenten Walter Christian Steinbach, der sich hier bleibende Verdienste erworben hat.Diesem Sonderheft der LEIPZIGER BLÄTTER ist zu wünschen, dass es freundliche Aufnahme findet und dazu beitragen kann, sowohl die Vorzüge als auch die Probleme einer Stadt am Wasser sichtbar werden zu lassen, und darüber hinaus Interesse erweckt, an den Veranstaltungen des Architektursommers teilzunehmen, in dessen Verlauf unter anderem auch der »Tag der Architektur« am 26. / 27. Juni und der »Tag des offenen Denkmals« am 12. September stattfinden.

Winfried Sziegoleit, Kulturstiftung Leipzig /  Ehrenpräsident der Architektenkammer Sachsen